Mittwoch, 27. februar 2008
Sie erwischen uns knallhart und oft völlig unvorbereitet. Ein Foul auf mentaler Ebene, sie lassen uns straucheln und manchmal hat man einen ganzen Tag lang
etwas davon.
Neulich stand ich mit einer Nachbarin , die mich schon aus Kleinkindertagen kennt, vor dem Haus.
Vom angrenzenden Kindergartengelände erreichte uns das Gelächter und Geschrei der spielenden Kinder.
Ach ja- erinnerten wir uns- früher, ja früher war hier alles anders.
Bilder stiegen in mir auf, Bilder, an die ich schon eweig nicht gedacht hatte.
Ich war noch ziemlich klein, als der Kindergarten hier gebaut wurde...als er endlich fertig war, lohnte es sich nicht mehr, mich dort anzumelden. So kam ich - genauso wie meine Freunde und
Freundinnen nie in den Genuss einer pädagogischen Früherziehung.
Unsere "Kindergartenzeit" zeichnete sich durch relativ viel Freizeit und Freiheit aus, unsere "Erzieherinnen und Erzieher waren unsere älteren Geschwister.
Das Gelände , auf dem heute besagter Kindergarten steht war früher so eine Art verwilderter Garten- jeder Waldorfkindergarten wäre heute stolz, so ein Gelände sein Eigen nennen zu dürfen.
Dort wuchsen alte Bäume, zum Teil Obstbäume , vergessene Erdbeerpflanzen und am Giebel des Nachbarhauses gab es einen Trampelpfad, der gesäumt war mit Himbeersträuchern. In den Bäumen konnte man
herrlich klettern und in der Erntezeit hatte man ja auch genügend Grund dazu. Und im Unterholz der Sträucher konnten wir herrlich verstecken,Räuber und Gendarme oder fangen spielen. Es gab
Räuberhöhlen, Indianerdörfer und sogar Feuerstellen, an denen wir mit unseren älteren Geschwistern am offenen Feuer die aus dem eigenen Keller geklauten Kartoffeln grillten.
Sorgen brauchten wir uns keine machen, denn die älteren wußten, was man beachten mußte!
Auch das Gelände, auf dem heute ein schicker, neuer Spieplatz ist, gehörte damals zu unserem geheimen Garten...bis die Bagger kamen.
Auf der einen Seite entstand mit vielen Ziersträucher drumherum ein Spielplatz mit einem riesigen, hölzernen Klttergerüst, während die andere Seite eingezäunt wurde und ein Kindergarten gebaut
wurde.
Für uns Kinder war das überhaupt der beste Spielplatz. Ich weiß gar nicht, wie viele Stunden wir damit verbracht haben, den Neubau zu erforschen...es war toll, denn die Einrichtung, die winzigen
Toiltten, die bunten Wände waren schon dort, bevor die Außentür ein Schloss hatte und wir machten nie etwas kaputt, wir liefen nur in diesem Neubau herum , hatten offene Münder und staunten über
all das Farbenfrohe, das es in unserem Leben so gar nicht gab.
Wir lebten schließlich im sogenannten sozialen Wohnungsbau: Wohnungen, die staatlich gefördert waren mmit billigen Mieten und meistens recht zusammengewürfelten Möbeln für die Kinderzimmer.
Oft war nur die "gute Stube" aus dem Möbelhaus, aber das war uns Kindern so etwas von egal!!
Schließlich bekam das Gelände einen Sandkasten, Rasenflächen wurden angelegt ( Rasen von der Rolle...gab es damals schon) und die Tür wurde abgeschlossen.
Schließlich kam das Außenspielzeug - große Kuststoffmuschelhälften- und es gab einen Tag der offenen Tür. Wir ließen den uns natürlich nicht entgehen und danach wollte mancher von uns gerne in
dieses Kinderparadies...leider eröffnete dieses Kinderparadies im Jahre 1971 und die meisten von uns kamen nicht in den Genuss ein kindergartenkind zu werden, denn entweder scheiterte es am Geld
der Eltern, das sowieso kaum reichte, oder eine andere Institution wollte uns gerne haben: Die Grundschule stand für mich und die meisten Kinder aus der Nachbarschaft im Jahre 1972 auf dem Plan und
wir wollten letzendlich doch lieber große Schulkinder sein, als kleine Kindergartenkinder!
Demnächst mehr aus meinem Leben....
Bis die Tage dann
Sonja K.
von Sonja K 66
veröffentlicht in:
familie
0
empfehlen